Whiskey und Mails

Februar 24th, 2010 Soulsnatcher Posted in Fühlen | 1 Comment »

Da steht man nun. Nachts um 12 in seinem Stammpub. Hat ein paar der Menschen um sich, die einem wichtig sind und auf einmal singen alle, fallen einem um den Hals und bestellen noch einen Whiskey.
Man muss eine Schlammbowle löffeln und alles lacht.
Andere kommen extra mit dem Taxi um noch schnell einen mit zu trinken und ich könnte schwören, selbst der Hund hat mitgefeiert.
Ein schönes Gefühl wenn dann nach und nach die Mailbox überquillt. das Telefon ein ums andere Mal geht und man merkt, das man dem ein oder anderen wichtig genug ist, das er/sie sich an das Datum erinnert (oder auch von Internetplattformen daran erinnert wurde :))
Manchmal sind solche Tage einfach nur geeignet sich wohl zu fühlen.
Und darum geht es doch, sich wohl zu fühlen, oder?

Gutes Wohlfühlen da draussen, wo immer ihr euch wohl fühlt.

Und: DANKE!

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Guten Kaffee in Dublin…

Februar 1st, 2010 Soulsnatcher Posted in Fühlen, Samstag, Schätze, Sonntag, Unterwegs | 4 Comments »

… kriegt man em ehesten beim Italiener.
Dem Schnee entflohen sind wir gegen 8:00 Uhr Ortszeit in Dublin gelandet.img_5603.jpg
Hier ist kein Fetzen Schee zu sehen und wie immer wenn ich in Irland bin lacht die Sonne. Das bewirkt auch sofort eine Ausschüttung an Endorphin und meine Laune steigt um einige Grad. Schon ist das “4 Uhr Aufstehen” und das “2 verdammte Stunden durch den Schnee zum Flughafen” vergessen.
Da es noch früh am Tag ist will ich als erstes ein “Full Irish”. Spiegelei, Sausages, Tomatos, baked Beans, Black & White Pudding und angebrannt schmeckender Kaffee.
Leider ist es auf der Insel durchaus üblich, den Kaffee in Glaskannen auf Warmhalteplatten so lange stehen zu lassen, bis fast das komplette Wasser verdunstet ist und nur noch Teer in der Kanne ist. dann wird der frische Kaffee einfach draufgeschüttet. Effizient, sicherlich. Schmeckt aber Sch****.
Dann mit dem Bus in die Stadt. Wer braucht schon einen “Express Link” für 6 Euro pro Nase, wenn es auch die Linie 16A für 2,20 tut? Die braucht zwar eine halbe Stunde, aber man hat viel mehr Zeit sich Land und Leute anzusehen.img_5607.jpg
Am Parnell Square ist die Busfahrt zu Ende. Ab hier zu Fuss weiter und bestaunen, wieviel Leben hier herrscht. Und über allem sticht in dieser Gegend meistens “An Túr Solai” in den Himmel. Im Hotel können wir erst um 14 Uhr einchecken, also beginnen wir mit einem kleinen Rundgang und anschliessender Besichtigung der Herztropfenfabrik.
Dann zurück ins Hotel, einchecken und anschliessendes eintauchen in Temple Bar, nachdem noch kurz Pierce Brosnan umgelegt und helfend in den WW1 eingegriffen wurde.
Ein Satz geht mir durch den Kopf: “In Dublin is every Night Saturday Night”. Wahnsinn, es stimmt! Ach, heute ist ja Samstag. Also Erkenntniss zurückschrauben.dscn0310.jpg
An jeder Ecke ein Leprechaun, eine Band oder auch Werber für einen Pub mit dem angeblich besten Essen in Temple Bar. Der Goldvorrat den die Leprechauns am Ende des Regenbogens vergaben haben scheint wohl aufgebraucht, denn sie müssen sich heute für Geld mit Touristen fotografieren lassen.dscn0303.jpg
Im Hotel dann erst einmal ausschlafen und anschliessend ein Frühstück in annähernd derselben Zusammenstellung wie am Vortag: Diesmal Rührei, Sausages, Tomatos, baked Beans, Black & White Pudding und angebrannter Kaffee.
Doch neben unserem Hotel gibt es glücklicherweise ein Italienisches Cafe in dem man auch einer ordentlichen Tasse Kaffee habhaft werden kann. Der Tag ist gerettet.img_5601.jpg
Anschliessend wollen wir noch ein wenig cachen. Wir schaffen 4 Stück in knapp 2 Stunden und nehmen danach noch ein weiteres Stück Irischer Geschichte unter die Lupe. Die Familie Jameson stellt unter dem Motto “Sine Metu” (Ohne Furcht) seit 1780 uisge beatha (gesprochen: uschkeba), also Lebenswasser her.
Der Weg zum Flughafen gestaltet sich noch einmal etwas abenteuerlich da der erste Bus völlig überfüllt ist und uns daher nicht mehr mit nimmt. Der zweite bringt uns dann aber doch sicher ans Ziel, auch wenn der Bus zwischenzeitlich auf einigen Bodenwellen umzufallen droht. Und dann immer dieses Fahren auf der falschen Strassenseite….
Zudem hätten wir uns gar nicht so stressen müssen, denn unsere Maschine hat mal eine ganz geschmeidige Stunde Verspätung.dscn0350.jpg
Bei der Landung in Hahn fällt es mir schwer, nicht darüber nachzudenken, wie ein Flugzeug eigentlich auf einer vereisten und zugeschneiten Landebahn bremsen soll. Machen die das komplett über die Triebwerke oder auch über das Fahrgestell? In Cork damals ist die Maschine selbst bei trockenem Wetter übelst geschlingert. Ach nein, einfach nicht daran denken. Mach dir besser Gedanken darüber, wie du bei dem Mistwetter die 126 km von Hahn nach Hause kommst.
Die Strassen sind tief verschneit, dennoch sind stellenweise Geschwindigkeiten von bis zu 70 oder 80 km/h möglich. dscn0401.jpg
Geendet hat die Reise dann, wo sie begonnen hat, beim Montagsmundschenk. Hier schliesst sich der Kreis. Denn darauf kommt es bei einem Kreis doch an, das er sich schließt, oder?

Gutes Schliessen da draussen, wo immer ihr auch schliesst :)

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Goodbye 2009

Dezember 31st, 2009 Soulsnatcher Posted in Donnerstag, Fühlen | 4 Comments »

2009 geht zu Ende.
Ein sehr wechselhaftes und ereignisreiches Jahr. Was brachte es, was nahm es?
Auf allen Vieren nach Nancy” ist endlich fertig. Da scheinbar wirklich Interesse daran besteht gibt es das Büchlein dann demnächst mit ISBN Nummer. Leider musste ich das Paket mit den ersten 25 Büchern im Krankenhaus aufmachen, da ich zu dem Zeitpunkt auf meine Herz OP gewartet habe.
Dahin hatte mich dann wohl mein Lebensstil gebracht. Zuviel Stress, zu viel Arbeit. Seither habe ich viele Stunden daheim in meinem kleinen gemütlichen Arbeitszimmer verbracht und die Gelegenheit zum abschalten und nachdenken genutzt. Ich sollte wirklich in manchen Dingen ruhiger werden.
Diese Wartezeit hatte aber auch Vorteile. Man hat einfach Gelegenheit sich das ein oder andere Bewusst zu machen und merkt auch bei dem ein oder anderen Menschen eine unerwartete Anteilnahme :)

Aber was geschah an wirklich wichtigen Dingen?
Nun, Barrack Obama hat einen Friedensnobelpreis bekommen. Wofür? Laut Komission dafür, das er den Friedensprozess beschleunigt habe. Interessant. Zumindest kann er im Gegensatz zu seinem zugekoksten Vorgänger das Wort “Peace” fehlerfrei schreiben. Aber letzten Endes demonstriert er seinen Friedenswillen durch die Entsendung weiterer Truppen.
In Winnenden löste mal wieder ein Jugendlicher seine Probleme mit der Waffe des Vaters. 15 Tote. Natürlich sind die Ego Shooter Schuld. Nicht sein Vater, der seine Ballermänner daheim rumliegen lies und nicht mal merkte das der Junge Probleme hat.
Ach ja. Selbstmörder werden in diesem Land ja nun schon lange nicht mehr namenlos unter der Friedhofshecke verscharrt, aber muss man ihnen gleich eine Art Staatsbegräbnis organisieren? Fragt eigentlich irgendwer was aus dem Lokführer wurde? Wie der sich wohl gefühlt hat als er sah dass der Typ der sein Leben mit zerstört hat in einem Stadion aufgebahrt wurde? Rechtfertigen Depressionen eigentlich alles?
Einige Menschen sind auch in diesem Jahr von uns gegangen. Michael “ich habe ein zweifelhaftes Sexualleben” Jackson zum Beispiel. Für mich, auch wenn ich nicht in kreischendes Verzücken ausbrach wenn er sang, schon etwas tragischer. Ein Mann der in seinem Leben viel erreicht und durchgemcht hat wird einfach so aus dem Leben gerissen. Wir werden nun wohl nie erfahren, wie lose oder wie fest seine Nase saß.
In Kunduz gab es einen Haufen Tote als ein deutscher Offizier beschloss, zwei Tankwagen bombardieren zu lassen. Das ist in meinen Augen wirklich tragisch. Vor allem weil hier nach Schuldigen gesucht wird. Während die wirklichen Schuldigen sich versteckt im Hintergrund halten und weitere Pläne schmieden diese Welt zu einem einzigen Terrorschlachtfeld zu machen.

Das war dann 2009. Nun hofft alles auf 2010.
Ja, besser soll es werden. Aber wir hoch ist die Wahrscheinlichkeit das es besser wird?
Genauso hoch wie die Mühe die wir uns geben es zu verbessern. Nicht höher und nicht niedriger. Denn auch wenn die Jahreszahl sich ändert ist morgen einfach nur ein neuer Tag. Ein Freitag. Mehr nicht.

Eigentlich geht es ja doch nur darum, zu feiern und einen Grund zu finden sich gute Vorsätze zu nehmen. Ich habe auch welche, geb ich ja zu. Gesünder leben, weniger Stress und vor allem meine Freundschaften pflegen. Denn die haben es sich verdient.

Deshalb: Schönes vornehmen da drausen, wo immer ihr auch etwas vornehmt.

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Jo’s Weg

Dezember 24th, 2009 Soulsnatcher Posted in Donnerstag, Fühlen, Leben, Montag | 1 Comment »

“Jo, los weg! Die Garde!”
Josef, von allen nur Jo genannt wälzte sich von der alten Matraze auf der er versuchte seinen Weinrausch auszuschlafen. Er wusste nicht warum und wieso aber das Zeug war am Abend auf einmal in den Wasserflaschen gewesen. Jo hatte keine Ahnung ob da einfach ein bisschen alter Fruchtsaft gegärrt hatte - Mary trank das Zeug manchmal - oder ob einer seiner anderen Kumpels irgendwo was geklaut hatte. Das Zeug war da, schmeckte erbärmlich aber sie tranken es.
Das plötzliche Auftauchen des Alkohols würden seine Freunde wenigstens nicht auf ihn zurück führen.
Was die Qualität von Essen und Trinken anging waren alle schlimmeres gewohnt. Jo, seine mittlerweile zwölf Freunde und Mary, die sie an der Grenze auf dem Strassenstrich aufgegabelt hatten und die seither mit ihnen unterwegs war weil sie Jo’s sanfte Art mochte. Lukas versuchte ihn auf die Beine zu ziehen und weil er sah das Jo sehr wacklig stand, rief er Markus zu das der ihm helfen möge. Mary raffte einige Sachen zusammen und begann ebenfalls an Jo herumzuzerren.
Hektik entstand und Simon, Jos bester Freund und Vertrauter hielt noch immer den Deckel der Kellertür offen.
“Beeil dich Mann.”
Den Keller hatten sie durch Zufall in dem abbruchreifen Haus entdeckt, in dem sie sich versteckten seit sie von Rodes gejagt wurden. Lukas schaffte es mit Markus Hilfe, Jo in den Keller zu schaffen, so das Simon die Luke schließen konnte, kurz bevor die Gardisten in den Raum stürmten. Andreas, Simons Bruder, wartete am Kellerausgang auf sie.
“Der Garten ist leer, aber wir müssen uns beeilen, spätestens wenn sie merken dass das Haus leer ist, werden sie auch den durchsuchen.” Der Garten war nicht sonderlich groß. Er reichte gerade für eine alte Wäschespinne, ein kleines Blumenbeet und einen verfallenen Sandkasten. Der alte Jägerzaun war zum großen Teil umgefallen oder einfach nicht mehr vorhanden. Die Gruppe hastete durch den Garten und erreichte die kleine Nebenstrasse südlich des Anwesens. Jo warf noch einen Blick zurück. Drei Tage hatten sie sich in dem Haus, das nun durch die Blaulichter der Einsatzfahrzeuge beleuchtet wurde, versteckt. Auf eine bestimmte, ihm nicht verständliche Art hatte er sich dort wohl gefühlt.
Wenn doch die alte Dame bloss nie vor ihm auf der Strasse zusammen gebrochen wäre. Jo hatte die Dame leid getan und als er nach ihr sah, schien sie tot zu sein. Das war auch die einhellige Meinung der umstehenden - und wie immer untätigen - Gaffer. Als Jo der Frau die Hand auf den Bauch legte und sich damit abstützte um zu hören ob sie noch atmete, schlug sie auf einmal die Augen auf.
Anstatt zu sehen was es war: ein Zufall, behauptete die umstehende Menge eine Wunderheilung gesehen zu haben. Das brachte Jo natürlich in Schwierigkeiten.
Zumal der alten Dame dann angeblich plötzlich der Geldbeutel fehlte. Wo zur Hölle der geblieben war wusste Jo auch nicht. Ob ihn einer der Sanitäter eingesteckt hatte, ob der sonstwie verloren gegangen war oder die Alte überhaupt keinen dabei hatte, war ihm mittlerweile auch völlig egal. Irgendein selbstherrlicher Staatsanwalt namens H. E. Rodes jagte ihn seitdem. Er behauptete in der Öffentlichkeit das Jo die Dame niedergeschlagen und ihr den Geldbeutel gestohlen habe.
Seither wurden sie von der Garde verfolgt.
Sie schlichen durch die leeren Nebenstrassen der Kleinstadt, erreichten einen kleinen alten Park und machten eine Pause an einem alten Spielplatz. Jo legte sich auf die Wiese und betrachtete die Sterne. Irgendwie passierten ihm dauernd so Sachen.
Seit er geboren wurde. Ihm schien es kein Glück zu bringen das er ausgerechnet am 24. Dezember geboren worden war. Die Alten aus seinem Dorf erzählten immer, das sei ein besonderes Datum, es bringe Glück denn es sei das Geburtsdatum des “Herrn”.
Aber Glück sieht wohl doch anders aus. Entweder machten Sie ihn dafür verantwortlich das die Nachbarin eine Frühgeburt hatte, oder sie lasteten ihm Dienstahl an oder Wunderheilung oder beides, Hauptsache es war schlecht. Er konnte sich ja viele Dinge selber nicht erklären, aber er hatte nie bewusst etwas schlechtes getan oder tun wollen.
Es raschelte im Gebüsch. Sofort sprangen alle auf aber nichts und niemand kam aus dem Gebüsch.
“Wir müssen weiter,” beschloß Simon. Er zog Jo an der Schulter herum und hinter sich her.
Eine Weile liefen die beiden Freunde schweigend nebeneinander her, dann brach Simon das Schweigen.
“Wird das immer so gehen, Jo?”
“Ich weiss es nicht. Ich kann dir das nicht sagen.” Jo war selber nicht eben begeistert. “Aber woher wussten die eigentlich, wo wir waren?”
“Kein Ahnung, ausser Juda hat niemand heute das Haus verlassen.” Jo warf einen verstohlenen Blick zu dem jungen Mann aus England. Juda war einer der letzten die zu ihnen gestossen war. Er war ein schweigsamer verschlossener Typ dem auch noch niemand so recht traute. Er erinnerte sich. Juda war am Morgen für einige Stunden verschwunden und hatte angeblich etwas zu Essen besorgen wollen. Jo wusste nicht ob er auch etwas mitgebracht hatte. Irgendwie wusste sowieso nie jemand was Juda machte. Er war einfach nur da, sprach wenig und schien sich auch nicht so richtig für die anderen zu interessieren.
“Wo gehen wir hin, Simon?”
“Erinnerst du dich an die Hausbesetzer? Die wir vorgestern getroffen haben? Die werden sicher noch Platz haben. Haben sie jedenfalls gesagt.”

Harte Tritte in die Seite weckten Joe. Als er die Augen aufschlug und aufspringen wollte, sah er die Waffen. Widerstand war offenbar zwecklos. Keine Stunde später sass er in einer Verhörzelle. Man hatte ihn von seinen Freunden getrennt, auch von Mary. Plötzlich fehlte sie ihm. Er dachte an den Duft ihres Haares als sie sich ein Hotel leisten konnten und sie aus der Dusche kam. Merkwürdigerweise hatte ihn ihre Vergangenheit nie gestört.
H.E. Rodes betrat den Raum.
“Sieh an, unser Wunderheiler.” Rodes’ Grinsen war so schmierig wie man es sich nur denken konnte.
“Ich habe den Geldbeutel nicht geklaut.”
“Hier geht es schon lange nicht mehr um den Geldbeutel, junger Freund. Die Leute reden. Wunderheiler sind in unserer Welt eine Sensation. Sie geben den Menschen Hoffnung. Die Menschen wollen glauben. Es lenkt sie ab von ihren Sorgen. Wusstest du, das sie dich schon den ‘neuen Messias’ nennen? Das sie glauben du führst sie in eine bessere Welt?” Jo starrte den Staatsanwalt erschrocken an. Wirtschaftskrisen und Kriege hatten in den letzten Dekaden den Menschen jede Hoffnung genommen. Korrupte Politiker und Polizisten bestimmten das Leben in diesem Land. Typen wie Rodes zum Beispiel. Plötzlich wurde Jo klar, warum Rodes so eine Hexenjagd veranstaltete. Es ging nicht um den Geldbeutel, es ging nicht um wieder aufwachende Omas, es ging darum zu verhindern das die Menschen Hoffnung schöpften.
“Verstehe”, ätzte er. “Was werden sie mit mir tun?”
“Lobotomie”, grinste Rodes grausam. “Und danach stellen wir sie als sabbernden Idioten aus. Damit die Menschen sehen das sie sicher keine Wunder vollbringen.” Rodes setzte sich.
“Sehen Sie, junger Freund. Es ist schwer genug, die Ordnung aufrecht zu erhalten.”
“Ordnung? Der Hunger, die Armut?”
“Es gibt keine Kriege mehr, oder?”

Als sie Jo mit ausgebreiteten Armen fixierten, wurde ihm klar, das dies wohl seine letzten, bewussten Wahrnehmungen sein würden. Er hatte durch die Zellenwände noch lange mit Simon reden können und sich von ihm verabschieden. Mary hatte er nicht mehr gesehen.
Sonnenlicht fiel durch das Fenster des Behandlungszimmers und Jo fiel in die Dunkelheit.

Simon starrte in das flackernde Feuer, das die Graffitis auf den abbruchreifen Wänden beleuchtete. Wieder einmal hatte er Jos Geschichte erzählt. Nach dessen Lobotomie hatten Rodes und die Gardisten Jo auf dem Marktplatz gezeigt. Es war entwürdigend.
Simon und die anderen hatten sich danach getrennt. Ihre Gemeinschaft war zerfallen, manchmal sahen sie sich noch, aber eines hatten sie gemeinsam: sie alle wurden immer und immer wieder danach gefragt wie das war, damals mit Jo. Jeder erzählte die Geschichte ein wenig anders, jeder hatte andere Erinnerungen an ihn.
Mary war nicht wieder aufgetaucht. Nur Juda hatten sie gefunden. In dem Haus in dem er sie verraten hatte hing er an einem Seil vom Gebälk des zerstörten Daches.
Jo würde in der Erinnerung der Menschen lebendig bleiben. Dafür wollten Simon und die anderen sorgen.
Sie würden seine Geschichte nur oft genug erzählen müssen.

Frohe Weihnachten da draussen, wo immer ihr auch weihnachtet. :)
and:
Happy Birthday Jesus.
(Zitat Montagsmundschenk)

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Houston? Haben wir ein Problem?

Dezember 1st, 2009 Soulsnatcher Posted in Fühlen, Leben, Montag | 9 Comments »

Die Freundlichkeit der Schwester kann nicht darüber hinwegtäuschen:
Es ist Montag morgen und ich werde gleich eine Herz OP haben. Doofes Gefühl. Der Taxifahrer holt mich auf dem Zimmer ab und fängt schon gleich an, mich voll zu quatschen.
Hallo?
Es ist sechs - Uhr- fucking - dreissig - morgens und ich hatte noch keinen Kaffee und der labert mich zu?
Am Taxi steht ein zweiter Fahrgast, ebenfalls Uni Homburg. Frau mittleren Alters, einfach strukturiert und mir auf Anhieb unsympatisch, aber wenigstens übernimmt sie - mit Freuden - den Part “Smalltalk mit dem Fahrer”. In der Uni angekommen müssen wir erst einmal in den Warteraum, logisch. Und da der Fahrer nun nicht mehr da ist, versucht sie ihr Glück mit mir. Nachdem ich mich unwillig zeige auf sie zu reagieren und mich stoisch in eines der ausliegenden Boulevardblätter vertiefe fasst sie mich zweimal mit dieser “Hör doch mal Gestik” an den Ellbogen. Nach dem zweiten Mal reicht aber einer meiner gemeinsten Blicke mit der Aussage: “Fass mich niemals wieder an” um sie zu überzeugen das ich meine Ruhe will.
Irgendwann wird erst sie abgeholt, dann ich.
Im OP werde ich recht schnell auf den Tisch gelegt ausgiebig verkabelt. Vorsorglich wird auch schon mal ein Defibrilator auf die frisch rasierte Brust gelegt, der Pfleger lächelt und meint:
“Nur für alle Fälle, brauchen wir eh nicht.” Genau, und weil der nie gebraucht wird, wird er ja auch angeschlossen, nicht wahr? Ich versuche mich noch in Galgenhumor und denke darüber nach, das ich wirklich verkabelt werde wie auf dem elektrischen Stuhl oder so.
Dann muss ich mich hinlegen und trotz der Kissen und Polster wird schnell klar das dies keine sooo bequehme Geschichte wird. Vor allem weil ich relativ fixiert liege.
Und kaum ist der Professor da, wird schon das erste Problem klar: Wohlmeinend hat man mich die Tage vorher mit Betablockern behandelt. Da die zu behandelnde Systole aber nur bei höherer Frequenz auftaucht, muss dieses höhere Frequenz vorhanden sein, um die Urasache ausfindig zu machen. Der Betablocker ist da dann eher kontraproduktiv. Also kriege ich erst mal ein Mittel zur Erhöhung der Herzfrequenz. Bis das Zeug wirkt liege ich schon mal eine gute halbe Stunde da gelangweilt herum und starre zur Decke. Oder besser: zu dem bisschen Decke das zwischen den über mir hängenden Apparaturen sichtbar ist.
Endlich erhöht sich mein Herzschlag, kein angenehmes Gefühl, aber erträglich. Durch beide Leisten werden die Katheter eingeführt mit denen die Reparaturen vorgenommen werden. Plötzlich Unsicherheit beim OP Team. Worte wie: “Klappt nicht…”, “Versuch mal…” fallen und erzeugen eine gewisse Nervosität. Als der Professor in Augenhöhe neben mir auftaucht, versuche ich mich noch einmal in Galgenhumor. “Houston? Haben wir ein Problem?”
Die Antwort “Noch nicht” ist nicht eben Baldrian. Dann wird der Fehler gefunden und eines der Kabel mit denen irgendwelche Vitalfunktionen gemessen werden muss getauscht werden. Dummerweise das auf meinem Rücken. Also muss ich mit den bereits liegenden Kathetern mich hoch und ein wenig auf die Seite stemmen, Kabel wird getauscht, sitzt nicht richtig, noch einmal hoch, neu kleben.
Die zwei Röntgengeräte fahren wieder bis auf 2 Zentimeter an meinen Brustkorb heran und es wird wieder in meinem Brustkorb herumgepuhlt.
Dann geht die Sucherei los. Irgendwann werde ich ungeduldig. Vor allem einige Kommentare wie: “Da komm ich nicht ran” verunsichern und plötzlich ist der Saal leer. Kein Pfleger, kein Arzt, kein Prof, meine Arme eingeklemmt unter diesen Röntgenteilen und meine Nase juckt. Ich werde leicht panisch. Der Prof beruhigt mich, lässt mir Dormicum spritzen und erklärt das es gleich weitegeht. Man warte nur auf irgendeine Reaktion, das dauere.
Schliesslich muss dann nochmal kurz was nachgebessert werden und ich werde nach etwa 5 Stunden aus meiner Situation befreit.
Ich bin völlig fertig. Mein Kreuz, Hüften, Lenden und - keine Ahnung wieso - die rechte Schulter schmerzen höllisch. Ich habe Hunger und die Schmerzmittel haben meinen Mund ausgetrocknet.
Auf der Station kann ich mich erholen, schlafe irgendwann ein und als ich die Augen irgendwann öffne, ist die Herzkönigin da. Gutes Gefühl.

Heute morgen werde ich dann auch noch relativ überraschend entlassen, hocke gerade beim Lord für irgendwas im Keller und warte darauf, das die Herzkönigin kommt und mich in meine Wohnung lässt.
Die Nachsorge überlässt man dann also meinem Hausarzt und meinen vielen Freunden, die mich in den letzten Wochen wirklich gestützt haben. Durch Besuche oder Nachrichten, jeder wie er konnte.
Danke dafür. :)

Gutes Leben da draussen, wo immer ihr auch lebt.

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