Zigarettenstummel

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Soulsnatcher 21.04.2012; 01:05; Kategorien: Leben ,

Nachtschicht. Der müde Soulsnatcher quält sich aus dem Schreibtischstuhl, wandelt durch das vollkommen leere Haus und erreicht die Raucherecke. In der Tür bleibt er stehen, raucht. Der Aschenbecher ist um die Ecke, aber er muss ja das Telefon hören. Daher bleibt er in der Tür stehen, denkt an eine Frau, an das Gespräch eben, an den Marathon nächsten Samstag und betrachtet den Nachthimmel als sich aus der dunklen Ecke in der der Aschenbecher steht eine Gestalt aus der Nacht schält.
Ein Mann, abgewetzter Kapuzenpulli, tief in die Stirn gezogene Kapuze. Des Soulsnatchers müde Gestalt reckt sich, Autorität ausstrahlend- oder es zumindest versuchend.
"Was machen Sie hier?" Erst jetzt bemerkt er das Schwanken der schmächtigen, ausgezehrt wirkenden Gestalt, sieht den verschämten Blick.
"Ich war am Aschenbecher, hab meine Zigarette ausgemacht", der Blick wird noch etwas verschämter.
"Naja, ich sage ihnen ganz ehrlich", die Hand öffnet sich, ein paar Zigarettenstummel kommen zum Vorschein. "Ich hole mir manchmal ein paar Stummel."
Sein Blick schweift zum Pflaster, die Stimme wird noch leiser.
"Zum Rauchen."
Des Soulsnatchers Autorität schwindet dahin, indes er in die Tasche greift, sein Päckchen Zigaretten rausholt und dem Mann schweigend eine davon gibt.
Vielleicht wäre da noch Zeit für ein paar Worte gewesen, aber es fällt ihm nichts ein außer dem Hinweis das Nachts das Betreten verboten ist.
Der Mann schwankt davon, lässt einen verstörten Soulsnatcher in der Tür mit seinem Päckchen Zigaretten zurück.
Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft, haben Jobs (oder auch nicht), haben unseren Unterhalt, das Internet. Wir regen uns auf, das Musik hören Urheberrechtsgebühren erfordert und jammern über steigende Benzinpreise.
Dabei entgeht vielen von uns immer mehr der Blick für die, die in dieser Gesellschaft das Ende markieren. Die, die einfach schon verloren haben. Wenn wir sie sehen, sagen wir uns vielleicht das sie selber schuld sein mögen. Das sie ja nicht rauchen müssen wenn sie eh schon pleite sind. Doch ist das wirklich ein Grund mit dem wir uns aus der Verantwortung ziehen können? Ist "unser Geld ist in Griechenland" wirklich ein Grund, weg zu schauen? Denn das kann diese Gesellschaft scheinbar besonders gut: wegschauen.
Wirklich?
Gutes Hinsehen, wo immer ihr auch in einer Tür stehen möget.

Tags: Leben , Zweibrücken,

45 Kilometer

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Soulsnatcher 02.04.2012; 06:59; Kategorien: Fühlen, Leben ,

Der Morgen graute bereits, als drei Männer, zum Teil unter Schmerzen das "Monument aux Morts" in Sarreguemines erreichen. Die ganze Umgebung ist in einem Farbgemisch aus dem Orange der Strassenbeleuchtung und dem bläulichen Licht des Morgengrauens. Endorphine breiten sich aus. Rauschen durch den Körper wie biologische ICE Züge durch die Täler.
Nach einem 45 km Marsch über den nächtlichen Jakobsweg haben wir endlich unser Ziel erreicht. Ein Geocaching-Event der Extraklasse. 45 km Strecke, 960 Höhenmeter, 10,5 Stunden Marsch. Unterhalb des Bauchnabels gab es kein Körperteil das nicht schmerzte, dennoch war das vorherrschende Gefühl eine Mischung aus Stolz und Freude, einfach Unschlagbar und ein bisschen, ein kleines bisschen Magie.
Einen Augenblick sitze ich da, lasse meine Gedanken schweifen, denke an die Kleine die ich zurückließ, an die vielen Schritte, einen nach dem nächsten und an die Gedanken die mich dabei begleiteten. Schwere Gedanken, aber auch fröhliche, Erinnerungen und Wünsche.
Die Erschöpfung und Anstrengung lässt den Geist nicht ruhen, sie stachelt ihn an. Lenkt ab von der Feststellung des Schmerzes.
Ob daraus Fehlentscheidungen entstehen oder der richtige Weg gefunden wird, ist mir nicht klar. Aber es waren Entscheidungen.
Gutes Entscheiden da draußen, wo immer ihr auch unterwegs seid.

Nachtrag: Hier noch die Route, nach der waren es sogar mehr Kilometer.

Tags: Leben , Erleben, Entscheidungen,

So nah, so fern

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Soulsnatcher 24.03.2012; 02:51; Kategorien: Leben , Unterwegs,

Dieses Handy klingelt so selten, das ich jedes Mal erst überlegen muss, wo die Geräusche herkommen. Aber wenn ich gerade einen Berg mit etwa 20% Steigung und unebener Oberfläche hinaufkeuche, dann schellt es garantiert. Am besten zweimal.
Aber als Ausgleich erreichen wir dann wenig später den alten Bärenzwinger. Der war zwar nie wirklich ein Bärenzwinger, sondern eigentlich ein Kreis um den Volieren standen, dennoch kann man sich in der anbrechenden Nacht gut vorstellen, das hier in diesen kleinen Boxen Bären gehalten wurden. In der Stille des Abends sitzen wir da, atmen, lauschen. Kröten quaken durch die Nacht, das Atmen der Kleinen, irgendwo raschelt Laub. Dann gehen wir weiter, es wird dunkler und fatalerweise zeigen die Batterien der Lampe erste Ermüdungserscheinungen. Aber die Nacht ist hell, Sternenklar, angenehm temperiert wie ein teurer Wein. wer braucht da eine Lampe?
Ein Nachtvogel keckert, neben uns im Gebüsch raschelt es, unsere Schritte auf dem sandigen Boden klingen dumpf und der Wald ist so dicht das die schwache Lampe kaum noch die Dunkelheit zu durchdringen vermag. In ihrem funzeligen Licht wirken die Ruinen der Orangerie fast unheimlich.Weiter geht die Reise, zurück, den Berg hinauf, finsterster Wald und sicherheitshalber Deckung nehmen als ein Auto durch den nächtlichen Wald fährt.
Was tut der da? Warum nachts? Darf der das? Wollen wir das eigentlich wissen?
Dann endlich, nach halsbrecherischen Abstiegen bei denen uns Wurzeln und Steine fast zu Fall bringen, durchbrechen wir die Baumgrenze, erreichen einen Parkplatz. Wir haben freien Blick auf die Sterne, machen eine weitere, kurze Pause. Blicke schweifen in die  Sterne, versuchen die Unendlichkeit zu ertasten, zu verstehen. So nah, so fern.
Dann geht es weiter. Einen Berg hinauf, zunächst an einer dunklen Landstrasse entlang, erneutes eintauchen in einen Wald und die immer schwächer werdende Lampe vermag kaum noch die Hinweistafeln zu erhellen. Also Handy raus und die Navigation nach Mini-Karten, Kompass und GPS führt uns zurück zum Wagen. Rucksack wegpacken und auf die Burg steigen. Diese Ruine ist der höchste Punkt im Umkreis, die Aussicht lohnenswert. Es geht vorbei an Jugendlichen, die hier eine kleine Party, mit einem großen Feuer und Unmengen an Bier feiern bis zum höchsten Punkt der Burg. Vor uns ein Lichtermeer. Lichter der Stadt, Lichter in den Sternen und wieder: so nah, so fern.
Gutes Nah sein, da draussen, wo immer ihr euch auch fern seid.

Tags: Unterwegs, Sex 'n twobridges,

Happy St. Patricks Day

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Soulsnatcher 17.03.2012; 04:49; Kategorien: Leben ,

Wie schnell doch so ein Jahr vergeht, oder zwei oder drei...
Manchmal scheint es, als sei es gestern gewesen, dass ich in Westport im "Matt Moloys" stand, ein "Pint" in der Hand, einen Freund an der Seite und umgeben von einem Haufen fröhlicher Iren und ein paar durchgeknallten Touristen aus Amerika. Dann wieder scheint das ganze unendlich weit weg. Das besteigen des Berges, der mich wieder nach unten zwang, das Fischrestaurant im Hafen, der Regen.
Die Zeit rast dahin, gehetzt von der Hundemeute des Schicksals und dessen Schlägen. Gleich Spielbällen eines unmutigen Hundes werden wir in ihr herumgeworfen, unfähig zu wiederstehen, ohne Möglichkeit herauszukommen aus diesem Strudel.
Naja, OK, heute ist Paddys Day, ich habe ewig nichts geschrieben und wollte ein paar Spezialsätze für den Mundschenk reinbringen, der liebt diese Sätze doch so.
Dieses Jahr habe ich es nicht nach Irland geschafft, bleibe daheim im hiesigen Pub, mit nicht weniger durchgeknallten Typen. Dieses Jahr wird auch ohne Bergbesteigungen noch hektisch genug werden. Zwei Marathonwanderungen sind geplant. Die eine noch in diesem Monat. 45 km in einer Nacht über den Jakobsweg werden schon heftig...
heftig viel Spass machen hoffe ich. Gemeinsam mit "der Kleinen" trainiere ich schon seit einer Weile dafür. Die Beine werden dicker, die Hüften schmaler und überhaupt macht das Ganze auch noch Spass und hat einen gesundheitlichen Aspekt.
Wie es gelaufen ist werde ich berichten.
Aber zurück zum Titel. Der St. Patricks Day, auch Paddies Day genannt hat eine wunderschöne alte Sitte: Bier trinken und nett zu jedermann sein. Egal ob Fremder oder Freund.
Und darum geht es doch, oder? Ums "nett sein".
Schönes "nett sein" da draussen, wo immer ihr auch ein Pint Bier haltet.


Tags: Veränderung,

Driving home for Christmas

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Soulsnatcher 23.12.2011; 01:58; Kategorien: Leben , Unterwegs,

Alle Jahre wieder, völlig überraschend für die meisten, kommt das Weihnachtsfest auf uns zu.
Für viele ist dieses "Fest der Besinnung" der höchste und wichtigste Feiertag im Jahr. Schon Wochen, gar Monate vorher beginnt die Riesenkonsumschlacht. In den Supermärkten steht schon im September der Lebkuchen, harrt Marzipan dem Verkauf, warten Weihnachtsmänner auf ihre Befreiung von der Folie durch gierige Hände.
Am Fest selber gillt dann "Business as usual".
Die Familie trifft sich, streitet sich, tauscht Geschenke aus, lacht und streitet weiter. Dann kommt das Abendessen. Das ist entweder zu heiss, zu salzig, zu kalt, zu süss oder verkocht. Dennoch wird es gegessen, natürlich nur unter Protest, oft genug mit Streit. Danach: Fortsetzen des Programms. trinken, lachen, wieder streiten. Irgendwann gehen dann alle auseinander.
"Schön war es doch..."
"Aber ja, natürlich."
"Machen wir nächstes Jahr wieder." Eigentlich ja grauenhaft und obwohl alle und jeder schon seit Jahren moniert, das Weihnachten nur noch ein industriell gesteuertes Kommerzfestival sei, sind jedes Jahr alle wieder dabei. Da wird Geld ausgegeben das ist eine wahre Pracht. Niemand will da zurückstehen. Der eigentliche Geist des Festes ging ja spätestens verloren, als wir begannen den symbolischen Herrn mit der "Brause-aus-Amerika-Werbejacke" zu bekleiden. Wie die Aasgeier haben wir uns ganz besonders im 20. Jahrhundert an diesem Fest vergangen, ihm die Eingeweide herausgerissen und es zerstückelt. Das letzte, mir bekannte "Weihnachtswunder" fand wohl 1914 in den Gräben des ersten Weltkriges statt, als sich per Defintion verfeindete Soldaten in der Mitte trafen und gemeinsam Weihnachten feierten. Angestiftet davon, das irgendjemand während der Feuerpause begann, "Stille Nacht" zu singen und alle, jeder in seiner Sprache, mitsangen.
Ich bin kein sonderlich religöser Mensch, aber der Urgedanke des Festes gefällt mir. Der "Tag des Friedens", eigens auf die Wintersonnenwende gelegt, um den Heiden bei der Missionierung die Umstellung zu erleichtern.
Ach und davon ab: Meine Familie ist ganz anders als oben beschrieben. Warmherzig, liebenswert und wartet 400 km weiter auf mich - und zu der fahre ich jetzt. Extra früh, um mir Zeit lassen zu können und die Fahrt zu genießen.
Euch eine Stille Nacht da draussen, wo immer ihr auch unruhig seid.



Tags: Fühlen, Leben , Frankreich, Pub, Weihnachten,

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Auf allen Vieren nach Nancy




Verlag: Books on Demand Gmbh; Auflage: 2. Auflage. (3. Dezember 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3839126011

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