Monsun

Juli 2nd, 2009 Soulsnatcher Posted in Jakobsweg, Leben, Mittwoch | No Comments »

Dichter Regen, wie ein Vorhang aus dünnen Fäden fällt, füllt die Schlaglöcher und Bodenunebenheiten zu kleinen Sehen in denen sich die Welt spiegelt (Der Satz war für dich Willi). Noch Tage soll es so weitergehen. Wetter wie in den Tropen. Schwül-heiss, abends Gewitter. Während ich mich auf das Holzgeländer im Biergarten lehne und rauchend auf die Gleise hinausstarre, denke ich darüber nach, dass die ersten Stimmen schon wieder ein Zeichen für die Klimaveränderung sehen.
Die Eisbären werden sterben und sich in der Erinnerung der Menschheit zu den Dinosauriern gesellen.
Aber so ging es schon vielen Spezies. Igendwie kann ich mir vorstellen, das auch die Spezies Mensch vielleicht eines Tages dazu gehört. rose.jpg
Wir neigen dazu, die Welt in unserem beschränkten kleinen Sichtfeld zu sehen, doch wenn man sich mal den Verlauf der Weltgeschichte jenseits der letzten 1000 Jahre ansieht, erleben wir eigentlich gerade mal die Zeit in der das letzte Eis abschmilzt. Wohin es gehen soll, wissen wir nicht.
Woher wollen wir eigentlich wissen, das die Menschen und ihre Lebensweise daran schuld sind?
Weil ein paar Streber in weissen Kitteln die früher in der Schule verhauen wurden das sagen?
Spielt das überhaupt noch eine Rolle?
Ständig werden neue Schuldige an dem Dillemma identifiziert. Mal sind es die Autos, dann wieder die Rinder. OK, ohne Auto könnte ich leben und wenn sie alle Rinder dieser Welt schlachten hat der Autor sicher eine Weile lang gute Chancen an billiges Rindfleisch zu kommen.
Aber dann würde ja eine weitere Spezies von dieser Erde verschwinden. Wieder einmal durch Menschenhand. Warum lassen sie die Eisbären nicht einfach die Rinder futtern? Zu weit? Na also bitte, ein wenig Engagement wird doch wohl zu erwarten sein.
Aber so sind wir Menschen, halten uns für den Schluss aller Dinge, glauben sie müssen sich in alles reinmischen und alles regeln… und stehen doch am Ende allein im Regen.

Haben sich vielleicht schon die Dinos für den Schluss aller Dinge gehalten und wurden von der Gründung einer Zivilisation nur von diesem blöden Meteoriten abgehalten?
Wie auch immer, vermutlich wird keiner von uns hier das noch erleben, auch wenn wir vor 30 Jahren schon hart dran waren.

Also schönes Überleben da draussen, wo immer ihr auch lebt.

PS: Ich werde dann jetzt doch die letzten 5 Tage meiner Reise im letzten Oktober veröffentlichen.

6. Tag - Freitag

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Memory, All alone in the mirror

Juni 11th, 2009 Soulsnatcher Posted in Fühlen | 1 Comment »

Das wehmütige Fideln der Geige dringt tief ins Mark, pflanzt sich fort bis zum Rückenmark und von dort ins Hirn. Der getönte Spiegel an der Wand über dem Stehtisch zeigt mir das Geschehen, ohne das ich offen hinsehen muss.
Die wehmütige Musik, die vielen Menschen, Erinnerungen steigen auf, wie Morgennebel über dem Moor. Cinematisch anmutend werden Bilder, quasi Standbildaufnamen der Vergangenheit vor dem geistigen Auge arrangiert und der perfide, geistige Regisseur arrangiert die Übergänge auf die Wirklichkeit, vergleicht Menschen aus der Vergangenheit mit den Menschen der Gegenwart. Erstaunlich wie oft sich diese Menschen gleichen oder ähneln.
Die “Endfünzigerin”, die sich so selbstständig gibt und deren selbstsichere Fassade eigentlich nur ihre Angst vor dem Alleinsein kaschieren soll. Was meist nicht gelingt. So viele Male gesehen, soviele Male beobachtet.
Oder der coole, Anfang vierzig, gekleidet wie … upps, das bist du selber.

Die Gedanken gehen zurück, ein paar Tage, ein paar Wochen, viele Jahre.
Längst vergessene Ereignisse gehen einem durch den Kopf und ja: Mir fallen keine Fragen ein.
Daher:
Schönes Erinnern da draussen, wo immer ihr euch auch erinnert.

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Als der Kaiser in des Königs Glatze las

Mai 7th, 2009 Soulsnatcher Posted in Leben, Montag, Woche | 3 Comments »

Und so ergab es sich, das der Lord Reichsbedenkenträger sein Jahresfest im Kreise des Kaisers und des Königs beging.

Sperrte sich der König anfänglich noch gegen ein Ausufern der Festivität, sagte ihm der Kaiser bereits frühzeitig voraus, das es länger dauern würde. Er beliebt die Zukunft nämlich nicht wie der Pöbel und das fahrende Volk aus dem Kaffeesatz zu lesen, er liest aus des Königs Glatze. Was sicherlich befremdlich klingen mag, sei gewährt, ist er doch der Kaiser, zumal von britischen Diplomaten anerkannt und somit seine Entscheidung verbindlich.
Also wurde der Abend am Hofe begangen, bei erlesenen Weinen und verbrennenden Pfanzen wurden zu den Klängen von Dudelsäcken und Fideln die Reichsgeschäfte geregelt, die Zukunft erkannt und beschlossen.
So sassen sie denn, nicht nur bis der Morgen graute- wohl auch dem ein oder anderen vor dem nächsten Tage.
Doch gab es eine Wahl? Gab es einen Ausweg?
Oder muss ein Mann eben tun, was ein Mann eben tun muss?

Gutes tun da draussen, wo immer ihr es auch tut und - gehabet euch wohl.

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Wenn es Tag wird über der Seine

Mai 3rd, 2009 Soulsnatcher Posted in Fühlen, Leben, Sonntag, Unterwegs | 5 Comments »

208_0806.jpgSpontane Aktionen sind einfach eine Sache für sich. Aber als meine Schwester mir gestern um 19 Uhr mitteilte, sie führe nun los nach Paris und wolle bei mir einen Kaffee trinken, war ich zunächst perplex. Gesponsert wurde die Aktion von meinem überaus großzügigen Patenkind. :) Sie würde allein schon dreieinhalb Stunden bis zu mir brauchen, dann noch einmal etwas mehr als dasselbe nach Paris.
Nicht mal für mich zu fassen. 208_0829.jpg

Aber: Sie tat es wirklich und als sie mich abends um 23 Uhr auf meinen herrschaftlichen Balkon fragte ob ich mitfahre, musste ich genau 3 Sekunden nachdenken und schon wenige Minuten später waren wir unterwegs.
Der kleine Wagen mit den vier Personen rauschte durch die Nacht, überquerte die französische Grenze und erreichte schon bald Metz. Städtenamen die mir noch von meinem letzten Urlaub bekannt waren rauschten vorbei. St. Avold, Metz, Pont du Mousson. Aber sie waren nicht das Ziel.
Das Ziel hies: Paris.

Kaum in der Seinemetropole angelangt, sah ich schon die Schilder “Notre Dame” und konnte den Ruf nach Esmeralda fast hören.
Ein freier Parkplatz lacht uns an, einparken und losmarschieren. Der Turm ist bestimmt schon in der Nähe. Ein Satz mit x: Das war wohl nix.
Wir laufen und laufen. An der Seine entlang über der mt einem malerischen Rot die Sonne in den französischen Himmel klettert. Die ersten Vögel beginnen zaghaft ihr Konzert, ein paar frühe Jogger laufen vorbei und ein totes Kaninchen treibt im Wasser. Die Gedanken entgleiten kurz zu einem Menschen den man sich herbei wünscht, dann geht die Jagd weiter. Die Jagd nach einem 324 Meter hohen Turm, der sich hinter hohen Bürgerhäusern zu verstecken vermag.
Endlich standen wir dann vor dem Stahlgerüst.
208_0836.jpg
Anschliessend noch das Standardprogramm: Frühstücken in einer Brasserie und Fotos von Notre Dame.

Paris präsentiert sich nachts zum Teil zwar recht schmutzig, aber das ist wohl in jeder Metropole der Fall, und das obwohl man auch Sonntagmorgens jede Menge Menschen sieht, die sich dienstlich bemühen dagegen anzukämpfen. Auf der Rückfahrt nur ein kurzer, unbequehmer Schlaf auf dem Beifahrersitz.

Heute abend dann schwere, bleierne Müdigkeit.
Ist es nicht das, was unser Leben ausmacht? Die Spontanität? Diese wohlige Müdigkeit? Das Erleben solcher kleinen Momente an einem Fluss in der Stadt der Liebe?

Schönes Erleben da draussen, wo immer ihr auch erlebt.

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Whisk(e)y not in jar

April 19th, 2009 Soulsnatcher Posted in Fühlen, Leben, Samstag, Sex 'n twobridges | 6 Comments »

Whiskytasting.
Mit Freunden entspannen und verschiedene Whisk(e)ys ausprobieren, über den Geschmack und den Abgang fachsimpeln, Spass haben und merken wie der Alkohol langsam aber sicher die Herrschaft über den Geist übernimmt. Auch wenn man ihn nicht gleich aus Krügen trinkt.

Danach noch ein paar Ale, Gespräche, Gelächter, der einfache Holztisch, Nosing Glasses und Pints.
Ein einfacher, doch sehr tiefgründiger Spass. Die Gespräche sind tiefsinnig, die Witze umso flacher.
Gefrotzel und Beschönigungen.

Dann geht die Tür auf und sie kommt herein.
Die gleichen Haare, der gleiche Stil, ähnliche Figur und so alt wie sie damals war.

Gedanken und Erinnerungen jagen einander über den geistigen Horizont wie die Gewitterwolken bei einem Sturm, wie Jagdhunde den Fuchs.
So viele Jahre ins Land gezogen und noch immer sind die Gedanken frisch, die Erinnerungen so lebendig.
Ein verträumtes Lächeln schleicht sich ins Gesicht, man spürt wie die eigenen Mundwinkel ein wenig nach oben wandern, Bilder wechseln sich ab, Lachen das lange verklungen klingt im Ohr. Im Magen wird es warm, ein wohliges Kribbeln kriecht am Rücken empor und eine leise Sehnsucht erwacht.

Dann die Frage was “man habe”. Das freundschaftliche, ahnende Lächeln und der Eindruck wieder zu landen, zurück kehren in die Realität und sich freuen dass man keinen Traum sondern eine Erinnerung hatte. Das man das erleben durfte.

Ist es nicht besser, einmal zu lieben und zu verlieren, als nie geliebt zu haben?
Einmal alles zu geben und zu verlieren?
Ist es nicht die Vergangenheit die uns formte und uns die Gegenwart geniessen lässt?

Schönes Geben da draussen, wo immer ihr auch gebt.

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