Samstag
Von Soulsnatcher • 2. Februar 2008 • Kategorie: Leben, SamstagIch kann mich an Samstage einfach nicht gewöhnen.
Wie immer werde ich früh wach, brühe mit immer noch halb geschlossenen Augen einen Kaffee, hocke mich eine Weile vor den PC. Danach spulen wir unser Programm ab. Hat schöne und weniger schöne Seiten.
Heute zum Beispiel Bummel in einem Riesenkaufhaus hier in der Gegend. Nennt sich so, wie die Kugel auf der wir alle mit 29,78 km/s durchs All schwirren. Im Normalfall verbringe ich 5 Minuten in der Bude, dann werde ich schon aggressiv. Aber heute haben wir ein scheinbar effizientes Mittel entdeckt:
Lästern!
Nach einer halben Stunde in dem Laden hatten wir uns über so ziemlich jeden lustig gemacht, der da irgendwie im Weg stand, gerade sein Kind mitten im Gang schlug (gibt es heute echt noch) , oder in merkwürdigem Outfit herumlief.
Man stelle sich bspw. einen Herrn um die 60 vor, die Haare waren mal dunkel und lockig. Jetzt sind sie dunkel und grau und lockig und irgendwie … struppig! Ein Bisschen hatte sein Haupthaar etwas von dem Fell eines ungeschorenen, grauen Zwergschnauzers.
Nicht ungewöhnlich?
Stimmt. Gekleidet war er in eine Lederjacke, vemutlich Mitte der 80er, eine Jogginghose, vermutlich Ende der 70er, und irgendwelche schwarzen Halbschuhe. Alles starrte vor Schmutz. Auf den ersten Blick denkt man: “Der lebt wohl unter Brücken.”
Ok, auch nicht ungewöhnlich.
Aber dann: die Dame an seiner Seite. Die, mit der er die ganze Zeit recht unverhohlen “herumschmust”. Was allein, gemessen am Alter der beiden, schon ungewöhnlich ist.
Sie ist aber auch das Kontrastprogramm zu ihm: Nicht eben billiger, heller Alcantaramantel, hervorragend frisiert, äusserst gepflegt.
Die Frage was zwei so unterschiedliche Menschen zusammen bringt, beschäftigt mich. Ich bin nun einmal neugierig. Und dieses Beschäftigen mit den Schicksalen und Eigenheiten korreliert ganz gut mit einem meiner Hobbies: der Schreiberei.
Wer sind die beiden?
Ein Paar, das seinen wohlverdienten Ruhestand nach vielen Jahren der Ackerei geniesst, sie will unbedingt einkaufen und hohlt ihn dazu aus dem, von ihm liebevoll gepflegten (Schreber)-Garten.
Oder ist er ihr “soziales Projekt”?
Oder was ganz anderes?
Es liesse sich aus dieser Konstellation eine Menge machen. Also spiele ich noch ein wenig damit herum und als wir unser Auto erreichen sehe ich vor meinem geistigen Auge den Ärger mit ihrer Familie, weil sie in ihrem Alter noch mit “so einem” daherkommt.
Und in dem Moment ist er der Sieger.
