Lugh MacEithleen. Der kannte keine Furcht…
Von Soulsnatcher • 27. März 2008 • Kategorie: Donnerstag, Rezensionen, SchätzeEs war einer dieser Abende im Jahr 87. Ich weiß noch, dass es regnete. Ich hatte eine neue Scheibe.
Gary Moore. Wild Frontier. Kaufempfehlung der Verkäuferin.
Auf dem Cover ein schwarzhaariger Lockenkopf bekleidet mit Fransenlederhemd und in der Hand das wohl schönste Instrument das jemals in Serie produziert wurde.
Eine Gibson Les Paul.
Dass diese Les Paul auch eine besondere Geschichte hat, erfuhr ich erst später.
Das Cover ist in Schwarz/Weiß und im Hintergrund sieht man eine typisch irische Landschaft.
In den späten 80er Jahren wussten wir bereits, dass aus Irland gute, rhythmische Musik kam. Mir persönlich war allerdings auch Gary Moore schon damals kein Unbekannter Name.
Ich war mit einem seiner besten Gitarren Intros aufgewachsen:
Thin Lizzy, “Whisky in the Jarr”.
Moore, der 1954 in Belfast geboren wurde, nimmt seine erste Platte mit Skid Row im Jahre 1970 auf. Hier lernt er auch Phil Lynott kennen, mit dem er später mehrmals bei Thin Lizzy spielt. Lynott gehört zu den tragischen Größen im Rock Business. Genau wie Hendrix, Joplin und viele andere stirbt auch Lynott einen frühen Drogentod.
Moore ist eine wechselhafte, unstete und offenbar rastlose Persönlichkeit.
Er steigt bei Thin Lizzy ein, steigt aus, macht Solosachen, gründet eine eigene Band, die fällt auch auseinander, ruft Thin Lizzy ins Leben zurück, das hat sich dann mit Lynotts Tod erledigt usw.
Und wie es sich gehört hat auch seine geliebte Gibson Les Paul eine Geschichte.
Sie gehörte eigentlich dem Frontmann von Fleedwood Mac in den Zeiten als diese noch richtig erfolgreich waren. Der hat sich jedoch irgendwann entschieden ein Einsiedlerleben zu führen und die Gitarre für ein paar Pfund an Moore verkauft.
Kaum hatte Moore die Gitarre, kam bei ihm der Erfolg und um Fleedwood Mac wurde es ruhiger.
Einige Jahre später wollte der Fleedwood Mac Mensch seine Gitarre zurückkaufen doch Moore ging nicht darauf ein. Warum bloß?
Wild Frontier erschien 1987.
Eines seiner besten Alben schlechthin.
Gleich das erste Stück, „Over the Hills and far away“ lässt uns erahnen was Gary Moore ist: Ein Ire.
Es gibt kaum einen typischeren, irischeren Rhythmus. „Über die Hügel und weit weg“. Das ist der Gedanke, den man bei dieser Musik gut nachvollziehen kann. Stundenlang möchte man laufen. Doch die Geschichte könnte auch in Hollywood geschrieben sein.
Ein Mann verbringt eine Nacht mit der Frau seines Freundes, daher hat er kein Alibi und geht für 10 lange Jahre in den Bau.
Außerdem war es meine absolute Lieblingsscheibe, wenn es damals darum ging, morgens um 5 loszufahren.
Wild Frontier. Die wilde Grenze. „Wir ertrinken in einem Meer des Bluts“. Er singt vom Krieg. Erinnert sich an seine Heimatstadt, an die Strassen, bevor die Panzerwagen kamen… Ein trauriger Song. Der Krieg in Nordirland ist immer und immer wieder Gegenstand seiner Songs. Nicht nur in diesem.
Nimm dir etwas Zeit fordert er in „Take a little Time“. Zu einem Rhythmus der zu sagen scheint: „Es dauert nicht lang“. Schnelle gehackte Riffs. Sie soll sich etwas zeit nehmen, nur etwas. Daher beeilt er sich auch so.
Einsamkeit ist das Thema des letzten Stückes auf Seite 1. The Loner ist ein reines Instrumental. Es steht auf Platz 1 meiner persönlichen ewigen Bestenliste wenn es um Gitarrensoli geht. Die Gitarre erzählt wirklich. Problemlos kann man die Geschichte, die erzählt wird verstehen. In jeder Sprache. Ich werde sie hier nicht wiedergeben, denn sie ist zu persönlich.
Den geistigen Blick auf den Freitag gerichtet macht er mit Friday on my Mind die zweite Seite auf. Wäre es doch endlich Freitag. Der Tag, an dem er seinen Spaß hat. Am Freitag da geht es in die City. Die Fremden in der Dunkelheit machen ihm zu schaffen in Strangers in the Darkness. Er sieht sie überall. In einem eher ruhigen, getragenen Stück geht es um das, was uns allen doch irgendwie Angst macht.
Du weißt schon was ich meine, oder?
Zurück in die glorreiche irische Vergangenheit reisen wir unter Donnergrollen. Thunder Rising bringt uns in die Zeit der Kelten und erzählt vom Sohn von Lugh MacEithleen. Der kannte keine Furcht. Ganz im Gegenteil. Die Geschichte, dazu die Musik…. Irgendwie hat man Szenen im Kopf, die aus Highlander stammen könnten…. Dabei war der Schotte…
Wer bis dahin noch nicht begriffen hat, dass Moore ein Ire ist, der wird es spätestens verstehen, wenn er hört, wie der Wind nach Johnny Boy ruft. Ich bekomme noch heute jedes Mal eine „Entenpelle“ wenn ich das Lied höre… Fiedeln, Gitarren, Geigen und eine sehr gefühlvoller Gesang.
87 war das Jahr, in dem ich meine ersten Geschichten schrieb, dazu lief im Hintergrund immer Musik. Es gab noch keine CDs. Zumindest nicht bei mir. Auch hatte ich damals noch keinen Laptop. Eine 10 Zoll Grün Monitor auf einem Commodore Desktop. 5 1/4 Zoll Disketten, ein uralter Schreibtisch und ein Glas Bourbon (Sorry, ich war Jung und kannte keinen Malt).
Da konnte es kaum bessere Musik geben als Rock. In den letzten Jahren wurde er immer wieder totgesagt, aber immer wenn ich diese Platten höre weiss ich:
ROCK N ROLL never dies!

Rock On! Auch wenn die Meta(lcoho)llica Fassung mehr rockt! ^^
Wovon haben die ne fassung gemacht?