Der Brief…
Von Soulsnatcher • 24. Juli 2008 • Kategorie: Donnerstag, Fühlen, Leben… oder auch “eine Mail zuviel”.
Im Briefkasten des Soulsnatchers fand sich dann heute mal etwas, das er schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr dort fand: ein Brief.
Ein handgeschriebener, persönlicher und privater Brief. Keine Rechnung, keine Postwurfsendung kein SPAM.
OK, als ich sah, aus welchem Land er kam, hab ich zugegebenermassen dran gerochen und nein, sie hat ihn nicht parfümiert. Ist auch gar nicht ihr Stil.
Zudem lag die Verfasserin zu dem Zeitpunkt in einem ausländischen Krankenhaus. Vermutlich hat da irgendwie gerade nichts nach Parfüm gerochen. Sie hatte, natürlich, einen kleinen Unfall.
Pass besser auf dich auf, junge Lady.
In der Einleitung schreibt sie auch warum es ein Brief ist. Zum einen einfach mal was anderes. Irgendwie romantischer, persönlicher. Die Feststellung das es sicher was schönes war, immer auf den Brief von der/dem Geliebten zu warten brachte mich ins Nachdenken.
Ja, es war sicher etwas ganz anderes, romantischer eben und auch persönlicher. Und wie schnell hat man heute mal eine Mail runtergetippt und abgeschickt? In Sekunden, manchmal Minuten. Oft ohne das Geschriebene vor dem Absenden noch einmal zu überdenken. Unsere Zeit ist so schnelllebig geworden, so hektisch. Die gesamte Kommunikation geht über Mail oder SMS. Schnell dahin getippt und ohne einen Gedanken an die Leserlichkeit. Telefon wird immer seltener, Briefe? Fast ausgestorben… Telegramme? Gibt es noch, aber wer braucht die.
Um wieviel schwerer war doch die Kommunikation noch in den 80ern und frühen 90ern?
Wenn wir wen erreichen wollten haben wir ihn angerufen, wenn wir ihn nicht erreichten, haben wir geschrieben (oder sind einfachmal hingegangen). Und in dringenden Fällen konnte man telefonisch ein Telegramm aufgeben.
Wenn wir einen Brief geschrieben haben, von dem wir im Nachhinein dachten, es sei falsch, dann mussten wir wieder zum Briefkasten, warten bis der geleert wurde und uns bei der Post eine Abfuhr holen: Nein, Briefe werden nur an den Empfänger zu gestellt.
Dann blieb uns nur noch den entsprechenden Empfängerbriefkasten aufzusuchen und zu versuchen den Brief rauszufischen, bevor man uns erwischte und wegen Verstosses gegen das Postgeheimnis dran kriegte. Eine Mail oder SMS ist heute raus und Sekunden später beim Empfänger. Wenn wir nicht das Passwort für den Server oder den Account wissen, haben wir - ebenfalls - keine Chance die Zustellung zu verhindern.
Aber ist deswegen heute alles schlecht?
Nein, nicht wirklich. Sicher, die deutsche Sprache verkommt. Wir kürzen alles ab, immerhin müssen in 160 Zeichen ja möglichst viel Info gepackt werden und es gibt Leute, die schon in Chatabkürzungen sprechen. LOL, ROFL etc.
Aber diese Sprache hat in den letzten Jahrhunderten soviele Veränderungen mitgemacht und wird es in den nächsten Jahrhunderten auch noch tun. Also kein Problem.
OK, manches, was man als Brief vielleicht nicht geschrieben hätte, weil man kurz vorher noch einen Rückzieher gemacht hätte, wird heute abgeschickt und damit sicher auch viel versaut, aber das ist nun mal unser Leben und wenn jemand nicht damit umgehen kann dass er seine Mails nicht zurückkriegt, dann sollte er besser frühzeitig darüber nachdenken.
So wie ich. Ich habe heute wahrscheinlich eine Mail zuviel geschrieben, eine, deren Inhalt ich vielleicht besser noch einmal überdacht hätte.
Zusätzlich habe ich dann heute wieder einmal den wahren Wert dieser “wer-kennt-wen” Seite entdeckt.
Hier hatte ich plötzlich eine Nachricht von einem uralten Freund, den ich schon viele Jahre nicht mehr gesehen habe. Sogar noch mehr Jahre als zwischen heute und dem letzten richtigen Brief vergangen sind.
Lebt der Mensch doch, gemessen an unserer beider, abwechslungsreichen Leben nur ein paar Kilometer weit weg. Schwer fassbar, aber ich denke, da wird ein langer Abend mit gutem Essen, Bier und Reden fällig. Denn auch wenn es kaum einer glauben mag:
Der Soulsnatcher hat auch männliche Freunde.
Gute Nacht da draussen, wo immer ihr auch seid.

Hach, schön geschrieben, schön eschrieben und so wahr!
Ich glaube das wir alten an solchen dingen merken, dass die Vergangene Zeit doch nicht so schlecht war, wie sie immer dar gestellt wird. Aber du hast vollkommen recht, du hast das Recht auch Männer als Freunde zu haben! RESPEKT!
gelegentlich ein handgeschriebener Brief oder eine schöne Postkarte zwischendurch, gehören zu den Dingen in meinem Leben, die ich bereits wieder nach “rückwärts” geändert habe.
Lieben Gruß von einer, die sich ebenso über handgeschriebene Post freut!
Ich habe mal versucht etwas auf Papier zu bringen, ohne die Delete Taste zu suchen. Man ist das schwer. Ich kann gar nicht mehr flüssig schreiben. Vielleicht sollte ich das mal wieder üben.
Also ich muss es definitv wieder mal üben.
Ich persönlich liebe das handgeschriebene Medium, während der Bundeswehrzeit habe ich immer “Liebesbriefe” nach Hause geschrieben um mir meine Freundin warm zu halten!
hat geklappt…
“Der Soulsnatcher hat auch männliche Freunde.” — hihi* gut, dass du das erwähnst und ja, WKW ist schon ganz praktisch, ich habe viele via StayFriends wiedergefunden.