Blicke in der Nacht
Von Soulsnatcher • 26. Juli 2008 • Kategorie: FühlenSo, des Soulsnatchers Familie ist auf dem Weg zu ihm. Die nächsten beiden Generationen so zu sagen.
Vor ihnen liegen 380 km auf deutschen Autobahnen. Buon viaggio.
Hier in Zweibrücken ist derzeit Stadtfest. Gestern war der Auftakt also stand das traditionelle “Bekannte treffen” auf dem Programm. Gemeinsam mit zwei Arbeitskollegen bin ich los gelatscht.
Es ist nicht wirklich so, das dieses Fest großartig überraschen könnte. Es ist alles da, wo es immer gestanden hat seit ich dieses Fest kenne. Die Rockbühne an der Feuerwehr, Schlagerfuzzis und Rimschweiler Straussbuben an der Kirche, der Stand des Eishockeyteams und natürlich der geheiligte Stand der irischen Biere auf dem Hallplatz. 
Ich quäle mich durch die Menge, die Augen suchend, einem Radarecho gleich über die Leute gleiten lassend. Vielleicht finde ich sie ja.
Endlich erreiche ich den Guinness Stand. Quetsche mich unter massiven Körpereinsatz duch zur Theke. Hier steht schon “der Deutschlehrer”. Endlich das erste Ale, gute Gespräche über Barrack Obama, die Augen suchend in die Menge gerichtet, die sich wie Terry Pratchetts Ankh, einem Lavafluss ähnlich durch die Strassen der Stadt wälzt. Sehe ich sie? Ist sie das nicht? Ach nein, die ist das.
Dann die SMS: “Quo Vadis mein Könich?” Schnell dem Lord die Position durchgegeben. Die beiden tauchen auf, sind genau wie ich bester Laune. Meine Arbeitskollegen sind irgendwo weiter gelaufen, kommen später noch mal wieder. Dann das Gesicht in der Menge. One hat versucht sich anzuschleichen. Guter Versuch.
Umarmen, festhalten und wieder los lassen. Geklärte Fronten und Standpunkte.
Sie steht mit einer Freundin ein paar Meter weiter. Ein paar Mal treffen sich unser Blicke. Vielsagende Handzeichen. Lächeln.
Eigentlich die schönste aller Zeiten. Das Kennenlernen, lange Blicke, ergründen der anderen Person und die Frage ob da “was geht”. Nur noch getoppt durch die erste Zeit in einer neuen Beziehung. Wenn die zartlichen Berührungen dazu kommen, die tiefen unergründlichen Blicke und das suchen nach Bestätigung. Kommt diese Zeit nicht, bleibt dem rational denkenden Menschen die Erinnerung an die Zeit davor und die Vorfreude auf die “nächste Zeit davor”. Der Gedanke ob man nicht eigentlich Single bleiben und nur noch “die Zeit davor” erleben will hat einen gewissen Reiz.
Irgendwann gibt es kein Bier mehr. Die Stadtväter haben ketzerischerweise den Ausschank nach halb zwei verboten. Ob die nach der Nummer nochmal gewählt werden?
Der Heimweg mit den gleichen Arbeitskollegen wie der Hinweg. Spass, Lachen und Unsinn reden. Endlich das erreichen der königlichen Liegestatt, es wurde Zeit.
Bleibt mir nur noch, Mao-B zu zitieren: Das Leben ist BUNT und GRANATENSTARK!
Guten Tag da draussen, wo immer ihr auch seid.

Eine sehr gute Freundin hat vor vielen Jahren mal zu mir gesagt: “Du bist nur verliebt in das Gefühl verliebt zu sein - mehr willst Du gar nicht”. Mich hat das sehr nachdenklich gemacht.
Wär ja schön wenn man das Gefühl auch nur Ansatzweise mal wieder hätte.