Jo's Weg « Houston? Haben wir ein Problem? » 24 Stunden
Kategorien: Fühlen, Leben , Montag,
Die Freundlichkeit der Schwester kann nicht darüber hinwegtäuschen:
Es ist Montag morgen und ich werde gleich eine Herz OP haben. Doofes Gefühl. Der Taxifahrer holt mich auf dem Zimmer ab und fängt schon gleich an, mich voll zu quatschen.
Hallo?
Es ist sechs - Uhr- fucking - dreissig - morgens und ich hatte noch keinen Kaffee und der labert mich zu?
Am Taxi steht ein zweiter Fahrgast, ebenfalls Uni Homburg. Frau mittleren Alters, einfach strukturiert und mir auf Anhieb unsympatisch, aber wenigstens übernimmt sie - mit Freuden - den Part "Smalltalk mit dem Fahrer". In der Uni angekommen müssen wir erst einmal in den Warteraum, logisch. Und da der Fahrer nun nicht mehr da ist, versucht sie ihr Glück mit mir. Nachdem ich mich unwillig zeige auf sie zu reagieren und mich stoisch in eines der ausliegenden Boulevardblätter vertiefe fasst sie mich zweimal mit dieser "Hör doch mal Gestik" an den Ellbogen. Nach dem zweiten Mal reicht aber einer meiner gemeinsten Blicke mit der Aussage: "Fass mich niemals wieder an" um sie zu überzeugen das ich meine Ruhe will.
Irgendwann wird erst sie abgeholt, dann ich.
Im OP werde ich recht schnell auf den Tisch gelegt ausgiebig verkabelt. Vorsorglich wird auch schon mal ein Defibrilator auf die frisch rasierte Brust gelegt, der Pfleger lächelt und meint:
"Nur für alle Fälle, brauchen wir eh nicht." Genau, und weil der nie gebraucht wird, wird er ja auch angeschlossen, nicht wahr? Ich versuche mich noch in Galgenhumor und denke darüber nach, das ich wirklich verkabelt werde wie auf dem elektrischen Stuhl oder so.
Dann muss ich mich hinlegen und trotz der Kissen und Polster wird schnell klar das dies keine sooo bequehme Geschichte wird. Vor allem weil ich relativ fixiert liege.
Und kaum ist der Professor da, wird schon das erste Problem klar: Wohlmeinend hat man mich die Tage vorher mit Betablockern behandelt. Da die zu behandelnde Systole aber nur bei höherer Frequenz auftaucht, muss dieses höhere Frequenz vorhanden sein, um die Urasache ausfindig zu machen. Der Betablocker ist da dann eher kontraproduktiv. Also kriege ich erst mal ein Mittel zur Erhöhung der Herzfrequenz. Bis das Zeug wirkt liege ich schon mal eine gute halbe Stunde da gelangweilt herum und starre zur Decke. Oder besser: zu dem bisschen Decke das zwischen den über mir hängenden Apparaturen sichtbar ist.
Endlich erhöht sich mein Herzschlag, kein angenehmes Gefühl, aber erträglich. Durch beide Leisten werden die Katheter eingeführt mit denen die Reparaturen vorgenommen werden. Plötzlich Unsicherheit beim OP Team. Worte wie: "Klappt nicht...", "Versuch mal..." fallen und erzeugen eine gewisse Nervosität. Als der Professor in Augenhöhe neben mir auftaucht, versuche ich mich noch einmal in Galgenhumor. "Houston? Haben wir ein Problem?"
Die Antwort "Noch nicht" ist nicht eben Baldrian. Dann wird der Fehler gefunden und eines der Kabel mit denen irgendwelche Vitalfunktionen gemessen werden muss getauscht werden. Dummerweise das auf meinem Rücken. Also muss ich mit den bereits liegenden Kathetern mich hoch und ein wenig auf die Seite stemmen, Kabel wird getauscht, sitzt nicht richtig, noch einmal hoch, neu kleben.
Die zwei Röntgengeräte fahren wieder bis auf 2 Zentimeter an meinen Brustkorb heran und es wird wieder in meinem Brustkorb herumgepuhlt.
Dann geht die Sucherei los. Irgendwann werde ich ungeduldig. Vor allem einige Kommentare wie: "Da komm ich nicht ran" verunsichern und plötzlich ist der Saal leer. Kein Pfleger, kein Arzt, kein Prof, meine Arme eingeklemmt unter diesen Röntgenteilen und meine Nase juckt. Ich werde leicht panisch. Der Prof beruhigt mich, lässt mir Dormicum spritzen und erklärt das es gleich weitegeht. Man warte nur auf irgendeine Reaktion, das dauere.
Schliesslich muss dann nochmal kurz was nachgebessert werden und ich werde nach etwa 5 Stunden aus meiner Situation befreit.
Ich bin völlig fertig. Mein Kreuz, Hüften, Lenden und - keine Ahnung wieso - die rechte Schulter schmerzen höllisch. Ich habe Hunger und die Schmerzmittel haben meinen Mund ausgetrocknet.
Auf der Station kann ich mich erholen, schlafe irgendwann ein und als ich die Augen irgendwann öffne, ist die Herzkönigin da. Gutes Gefühl.
Heute morgen werde ich dann auch noch relativ überraschend entlassen, hocke gerade beim Lord für irgendwas im Keller und warte darauf, das die Herzkönigin kommt und mich in meine Wohnung lässt.
Die Nachsorge überlässt man dann also meinem Hausarzt und meinen vielen Freunden, die mich in den letzten Wochen wirklich gestützt haben. Durch Besuche oder Nachrichten, jeder wie er konnte.
Danke dafür. :)
Gutes Leben da draussen, wo immer ihr auch lebt.
Tags: Fühlen, Leben , Veränderung, Sister Act, Herz, Herzkönigin,
Jo's Weg « Houston? Haben wir ein Problem? » 24 Stunden
9 Kommentare
01.12.2009; 20:33
Na dann mal herzlich willkommen zurück und ich wünsch Dir eine ruhige und friedliche Vorweihnachtszeit!!01.12.2009; 21:04
An alle!!!!01.12.2009; 21:16
und wegen dem PS bleibst du auch weiterhin mein Montagsmundschenk.02.12.2009; 13:40
und ich dachte immer, wo nix ist, kann nix kaputtgehen ;)02.12.2009; 17:13
Bin ich froh das du wieder da bist,hast mir einen ganz schönen Schreck eingejagt.Alles Gute und lass dich verwöhnen,schöne Adventszeit. Conny02.12.2009; 20:40
Also laßt es euch gesagt sein: er ist besser denn je - zumindest sagt er das!06.12.2009; 21:53
Wenn man der Gerüchteküche glauben darf, hat er sich ja auch eigentlich nur einen kurz Urlaub vom regieren genommen.
Mao-B
01.12.2009; 16:44
Welcome back im Leben :-) Generalüberholt sozusagen, bereit für zig Millionen weitere Kilometer ;-)